«Ohne Strom läuft bei uns nichts mehr»

«Ohne Strom läuft bei uns nichts mehr»
12. April 2017 Energieinfo

Seit der Gründung im Jahr 1946 produziert das Hydraulik-Industrieunternehmen Wandfluh in Frutigen. Auch in Zukunft wolle man auf den Werkplatz Schweiz setzen, sagt Verwaltungsratspräsident Hansruedi Wandfluh. Ohne kostengünstigen Strom steht die Fabrik der Berner Oberländer allerdings still.

«Du heisst doch Kevin! Hast Du nicht erst vor ein paar Wochen bei uns angefangen?», fragt Hansruedi Wandfluh den verdutzten jungen Mann und schüttelt diesem die Hand. Allzu häufig ist der 65-jährige in der Fabrik der Wandfluh AG nicht mehr anzutreffen. Nach über drei Jahrzehnten hat Hansruedi Wandfluh die Geschäftsleitung Anfang dieses Jahres seinem Sohn Matthias übergeben und fungiert heute als Verwaltungsratspräsident. Beim Rundgang durch die Produktionshallen zeigt sich aber schnell: Auch heute kennt der langjährige Patron seine Mitarbeiter noch immer mit Vornamen.

Verbundenheit zur Heimat

Die rund 230 Mitarbeitenden der Wandfluh AG stellen im Stammbetrieb in Frutigen Hydraulikkomponenten her. Wandfluh betreibt auch Produktionswerke im Ausland. Der Standort Frutigen ist und soll auch in Zukunft das Herzstück des Familienunternehmens bleiben. «Wir sind mit der Talschaft eng verbunden und fühlen uns dazu berufen, den Menschen hier in Frutigen Arbeitsplätze und ein Einkommen zu ermöglichen», betont Hansruedi Wandfluh.

Stromausfälle schaden der Qualität

Der starke Franken und die Erdölpreise haben Wandfluh in den vergangenen Jahren wirtschaftlich zugesetzt. Auch wenn die Produkte des Unternehmens noch immer weltweit gefragt sind, macht sich Hansruedi Wandfluh im Hinblick auf die anstehende Energie-Abstimmung grosse Sorgen: «Wenn der Strom teurer wird, sind wir als energieintensives Industrieunternehmen direkt betroffen. Unsere Produkte verteuern sich und wir verlieren an Konkurrenzfähigkeit. » Auch die Frage nach der künftigen Stromversorgung bereitet dem Unternehmer Kopfzerbrechen. Was es bedeutet, wenn die Versorgungssicherheit nicht gewährleistet ist, weiss er aus Erfahrung: «An unserem Produktionsstandort in China ist es früher immer wieder zu plötzlichen Stromausfällen gekommen. Das schadete den Anlagen und beeinträchtigte die Qualität.» Welche Konsequenzen hätte ein abrupter Stromausfall für die Wandfluh-Betriebe in Frutigen? «Ohne Strom läuft bei uns gar nichts mehr, die Fabrik stünde komplett still. Wir könnten nicht mehr termingerecht liefern und müssten unsere Mitarbeiter nach Hause schicken.»

Kurzportrait

Traditionsreiches Familienunternehmen

Frutigen ist und war immer ein Industriestandort. Bereits im Jahr 1946 gründet Ruedi Wandfluh eine mechanische Werkstätte und baut Maschinen für die Uhrensteinfabrikation. Nach seinem Tod entscheidet sich die Witwe Gertrud Wandfluh, die Arbeitsplätze in der Region zu erhalten und stellt 1960 auf Hydraulikventile um. 1983 wird Sohn Hansruedi Wandfluh Geschäftsleiter. Er formt Wandfluh zu einer internationalen

Holding-Gesellschaft um. Anfang 2017 übernimmt Sohn Matthias die Geschäftsleitung in dritter Generation. Weltweit beschäftigt Wandfluh rund 400 Mitarbeitende.

 

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