«Das Energiegesetz gefährdet die Versorgungssicherheit»

«Das Energiegesetz gefährdet die Versorgungssicherheit»
12. April 2017 Energieinfo

Martin Sauter, Geschäftsführer der Sauter Bachmann AG im glarnerischen Netstal, lehnt die Energiestrategie entschieden ab. Für ihn ist klar: Die Gefährdung der Versorgung und die massiven Regulierungen würden der Schweizer Industrie schaden. Insbesondere Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen, hätten so das Nachsehen.

Martin Sauter führt sein Technologieunternehmen in dritter Generation. Er legt grossen Wert auf Energieeffizienz: «Kürzlich haben wir die Beleuchtung der Produktionshalle vollständig auf LED-Technologie umgerüstet. Sie hilft uns den Stromverbrauch zu reduzieren ». Das neue Energiegesetz bereitet dem Unternehmer aber trotzdem grosse Sorgen. Etwa wegen den anfallenden Kosten. Noch verheerender allerdings beurteilt er die Gefährdung der Versorgungssicherheit.

Unsichere Auslandsabhängigkeit

Sauter erklärt: «Eine Annahme des Energiegesetzes würde den Wegfall von 25 TWh bedeuten. Das entspricht 38% der inländischen Produktion.» Für den Unternehmer ist klar, dass die neuen Erneuerbaren diese Lücke, insbesondere in den Wintermonaten, nicht schliessen können. Das Gegenteil ist der Fall: «Durch den Verzicht auf fossile Brennstoffe entsteht ein zusätzlicher Bedarf nach Strom. Etwa für Wärmepumpen oder durch Elektromobilität », fügt Sauter an. Weniger Produktion, aber mehr Verbrauch führt zu Abhängigkeit vom Ausland. Das beurteilt Sauter kritisch: «Auch in Deutschland und Frankreich ist die Versorgungslage kritisch. Liefern uns unsere Nachbarn tatsächlich Strom, wenn sie selber einen Engpass haben?» Das Unternehmen Sauter Bachmann ist auf Versorgungssicherheit angewiesen. Die Komponenten, welche das Unternehmen für die Luft- und Raumfahrt herstellt, müssen einer komplexen Wärmebehandlung unterzogen werden. Kommt es bei diesem Schlüsselprozess zu Stromausfällen, dann muss das Unternehmen sämtliche Werkstücke vernichten. «Die Schadenssummen betragen mehrere hunderttausend Franken», erklärt Sauter.

Der Zeithorizont ist zu kurz

Sauter unterstützt alternative Erzeugungstechnologien. Aber ein Umbau, wie ihn die Energiestrategie vorsieht, ist aus seiner Sicht viel zu ambitioniert. «Uns fehlen die Technologien, um die sommerliche Überproduktion in die Wintermonate zu überführen. Weder haben wir die notwendigen Speichertechnologien, noch das passende Übertragungsnetz. 2050 klingt sehr weit weg, doch die Bereitstellung der Infrastruktur dauert mehrere Jahrzehnte. Es bleibt schlicht zu wenig Zeit.» Kommt das neue Energiegesetz, dann läuft die Schweiz gemäss Sauter in eine Lücke, die extrem weh tun wird. «Dramatische Preiserhöhungen sind dann die direkte Folge und irgendwann wird der Strom fehlen», zeigt sich sauter überzeugt.

Kurzportrait

Zukunftstechnologie aus dem Glarnerland

Die Firma Sauter Bachmann AG entwickelt und produziert seit mehreren Generationen Präzisionszahnräder, Hochleistungsgetriebe und Transmissionssysteme für höchste Ansprüche. Die Unternehmung hat sich als Zulieferer für die Maschinen- wie auch für die Luft- und Raumfahrtsindustrie international einen Namen gemacht. Sauter Bachmann beschäftigt heute rund 150 Mitarbeitende und ist stolze Ausbildnerin von über 20 Lernenden. Die hochpräzisen Komponenten aus dem Glarnerland sind zum Beispiel auch Teil des Antriebssystems der «Ariane 5»-Rakete der ESA.

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