Bauern sind auf Zugmaschinen angewiesen

Bauern sind auf Zugmaschinen angewiesen
12. April 2017 Energieinfo

Das ENERGIEINFO-Blatt hat Nationalrat Hansjörg Walter, ehemaliger Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes, zum Energiegesetz befragt:

Herr Walter, Sie sind Landwirt und gegen das Energiegesetz, warum?

Ich bin sowohl als Bauer wie auch als Bürger unseres Staates gegen das neue Energiegesetz. Eine Exekutive soll durchaus politische Ziele verfolgen. Aber eine Strategie bis ins Jahr 2050 schreibt man nicht ins Gesetz. Wenn schon, muss eine Strategie periodisch – beispielsweise alle 4 Jahre – überprüft werden: Was wurde umgesetzt und erreicht? Muss eine Anpassung an die sich stets ändernden Rahmenbedingungen vorgenommen werden? Das vorliegende Energiegesetz ist nicht marktorientiert und hat enorme Kosten für alle zur Folge.

Was hat denn das neue Energiegesetz mit der Landwirtschaft zu tun?

In der Landwirtschaft liegt natürlich ein grosses Potenzial von alternativer, ökologischer Energieproduktion. So sind es die Landwirte, die auch mit ihrem privaten Kapital in Solaranlagen oder Biogasanlagen investiert haben. Ich kenne Berufskollegen, die Solaranlagen der beruflichen Vorsorge vorgezogen haben. Weiteres Potenzial ist vorhanden, aber das kann wie bisher auch in Zukunft ohne ein unrealistisches Energiegesetz genutzt werden. Für die Nutzung von Windkraft haben die Kantone Richtpläne zu erlassen. Wer ist davon am meisten betroffen? Die Landwirtschaft. Windkraftanlagen führen zu einer weiteren unzulässigen Zerstückelung des Kulturlandes, auch durch die nötigen Zufahrtsstrassen. Die Veränderung und Prägung des Landschaftsbildes ist natürlich ein ernstes Thema.

Sind Sie ein Grüner? Sie haben ja selber eine Solaranlage auf dem Dach des Betriebes.

Ich habe immer energiebewusst und energieeffizient gehandelt. Seit 25 Jahren haben wir eine Wärmerückgewinnung für die Milchkühlung. Mit dem selbstproduzierten Solarstrom haben wir für den gesamten Betrieb eine Netto- Eigenversorgung (Witterung 2016). Wir konnten auch den Dieselverbrauch durch eine effizientere Bewirtschaftung senken. Nur weil ich eine Solaranlage auf meinem Scheunendach habe, heisst das noch lange nicht, dass ich dieses neue planwirtschaftliche Gesetz unterstütze.

Bekommt ein Landwirt, der eine Solaranlage auf dem Dach hat, bei einem NEIN kein Geld mehr für seinen Strom?

Die bestehenden Verträge für die Einspeisung von Strom müssen auch ohne neues Energiegesetz eingehalten werden. Neuinvestitionen sind auch in Zukunft möglich, insbesondere dank einmaliger Beiträge an die Investitionen. Wenn die Liste der KEV-Anmeldungen 40‘000 beträgt, zeigt sich exemplarisch, dass mit einer tieferen, dem Markt angepasster Einmalvergütung wesentlich mehr Gesuche berücksichtigt werden könnten.

Diesel, Benzin und Erdöl sollen teurer werden, trifft dies nicht auch die Landwirte und das Gewerbe?

Die massive Verteuerung (bis Verdoppelung) der Treibstoffe hätte enorme Einkommensverluste für KMU und auch die Bauernfamilien zur Folge. Die Bauernbetriebe sind vom Talgebiet bis ins Berggebiet über das ganze Land verteilt. Die Bauern sind zur Bewirtschaftung des Landes auf Zugmaschinen angewiesen und auch ohne Auto ist man auf einem Bauernhof aufgeschmissen.

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