Auch Swissmem lehnt das Energiegesetz ab

Auch Swissmem lehnt das Energiegesetz ab
12. April 2017 Energieinfo

Das ENERGIEINFO-Blatt hat Hans Hess, Präsident von Swissmem und Unternehmer, dazu befragt:

Warum ist die Schweizer Industrie gegen das Energiegesetz?

Schweizer Produktionsbetriebe brauchen Strom, teilweise sogar viel Strom. Bisher war die Versorgungssicherheit ein Plus für unser Land. Die Energiestrategie gibt nun aber keine Antwort darauf, wie die Kapazitäten der ohnehin wegfallenden Kernkraftwerke ersetzt werden sollen. Damit kostet das Gesetz lediglich viel, bringt nichts und verfehlt das Ziel.

Aber es wird doch in erneuerbare Energien und damit in die Stromproduktion investiert?

Mit dem neuen Energiegesetz steigen die Subventionen für erneuerbare Energien gegenüber heute auf rund eine Milliarde Franken pro Jahr. Damit begehen wir aber den gleichen Fehler wie Deutschland: Wir produzieren dann Strom, wenn er in Europa bereits im Überfluss vorhanden ist, ohne dass wir ihn speichern könnten. Im Winter fehlt dieser Strom in der Schweiz und kann hier nicht produziert werden. Massive Stromimporte sind die Folge.

Warum ist der Import von Strom zunehmend ein Problem?

Es ist fragwürdig, ob wir in Zukunft noch in der Lage sein werden, auf den Import von Strom zu vertrauen. Es gibt Analysen, dass Deutschland und Frankreich in etwa zehn Jahren selbst in die Lage kommen könnten, Strom importieren zu müssen. Dies deshalb, weil auch sie Kapazitäten aus Grosskraftwerken abschalten, die noch nicht ersetzt werden können.

Welche finanziellen Folgen hätte das Energiegesetz für die Unternehmen?

Das ist schwierig zu beantworten, weil die Betriebe aufgrund ihrer Ausrichtung und ihres Energiebedarfs (Strom, Heizöl, Gas, Treibstoffe) sehr unterschiedlich betroffen sind. Was aber sicher ist: Die Industrie und das Gewerbe bezahlen die Zeche. Die Mehrkosten führen dazu, dass gerade die Exportindustrie einen weiteren Kostennachteil im internationalen Wettbewerb haben wird. Was mich zusätzlich sehr beunruhigt: Der Bund kann weitere Massnahmen ergreifen. Wir wissen ja, was das heisst. Eine möglicherweise massive Regulierungsflut ist die Folge, welche die Kosten noch einmal in die Höhe treiben wird.

Kurzportrait

Swissmem / scienceindustries Swissmem, der Verband der schweizerischen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, und scienceindustries, der Schweizer Wirtschaftsverband Chemie Pharma Biotech, lehnen das Energiegesetz ab. Die beiden ausgesprochen exportorientierten Branchen bestreiten zusammen 75 Prozent der Güterausfuhren der Schweiz.

Zur Person

Hans Hess, Präsident Swissmem Hans Hess ist Werkstoffingenieur der ETH Zürich und erwarb ein MBA an der University of Southern California (USA). Er ist Verwaltungsratspräsident der Comet Holding AG, der Reichle & de Massari Holding AG sowie Verwaltungsrat der Burckhardt Compression Holding AG und der dorma+kaba Holding AG. Seit November 2010 ist er Präsident von

 

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